Exzessives Nachdenken – Was Du Davon Lernst Und Wie Du Entkommst

Ich bekenne mich schuldig. Ich bin ein Over-Thinker. Zu viel über Dinge nachzudenken war schon immer ein Thema bei mir. Ich weiß nicht, ob die Wahrscheinlichkeit ein Over-Thinker zu sein höher ist, wenn man in Deutschland geboren wurde, da wir Deutschen ja doch ein eher rationales Völkchen sind. Oder ob es eher ein persönliches Problem darstellt, ganz egal wo man letztendlich geboren wurde. Unabhängig von der Herkunft des Phänomens, es kreiert Leiden. Unheimlich viel Leiden.
Das kann ich Dir aus meinen ungefähr 28 Jahren persönlicher Erfahrung sagen. Was ich daraus gelernt habe?

Hier kommen 5 Feststellungen zum Thema Overthinking und mein ganz persönlicher Lösungsansatz für Dich:

  1. Wahrscheinlich der wichtigste Punkt überhaupt: Overthinking kann nicht durch Overthinking gelöst werden. Klingt logisch, ist in der Praxis aber gar nicht so einfach. Ich kann Dir nicht sagen wie viele Stunden ich schon damit verbracht habe über mein exzessives Denken nachzudenken. Klingt lächerlich, ist aber die Wahrheit. Deshalb, bitte, versuch nicht Dein Overthinking damit zu lösen es noch mehr zu überdenken. Sackgasse!

Anstatt dessen….

  1. Erzähle jemandem von Deinem Gedanken-Wirr-Warr. Ich kann nicht garantieren, dass Dich manche Leute nicht für völlig verrückt halten werden. Daher versuche vielleicht erst einmal ein solches Gespräch mit einem guten Freund zu führen. Ich habe festgestellt, dass es unglaublich helfen kann über das, was so im eigenen Kopf vorgeht, zu reden. Vor allem dann, wenn Du überhaupt keinen Ausweg mehr aus Deinem eigenen Gedankenkarussell findest. Darüber zu sprechen macht dir oft schon nach Sekunden (oder hoffentlich wenigstens nach ein paar Minuten) klar, dass Deine Gedanken sich absolut wiederholen und du genau JETZT damit aufhören kannst und solltest. Irgendwann hat sich für mich herausgestellt, dass es einfacher ist den eigenen Gedankenprozess zu unterbrechen, wenn ich ihn mit jemandem teile. Wahrscheinlich, weil die eigenen Gedanken laut auszusprechen zur Folge hat, dass – Du realisierst, wie irrelevant sie sind, oder – Du auf einmal eine ganz andere Sichtweise auf Dein Thema bekommst, oder – sich ein Lösungsansatz auftut bzw. alles drei auf einmal und – am allerwichtigsten – es macht es möglich wenigstens zu versuchen die Gedanken loszulassen, da die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist endlich festzustellen, dass sie Dir nicht (mehr) dienen.

Was uns zum nächsten Punkt führt….

  1. Overthinking besteht aus sich wiederholenden Gedanken. Traurig aber wahr. Leider haben wir nicht immer neue geniale Gedanken, die es wert sind unseren Verstand und Alltag zu besetzen. Bist Du ein Over-Thinker, so sind die meisten Deiner Gedanken repetitiv. Normalerweise drehen sie sich um ein bestimmtes Thema, einen bestimmten Moment, Konflikt, darum was jemand gesagt bzw. nicht gesagt hat etc., also etwas, dass Du einfach nicht schaffst loszulassen. Indem Du immer und immer wieder darüber nachdenkst, versuchst Du irgendwie auf irgendwelche neuen Erklärungen zu kommen, endlich sinnvolle Rückschlüsse ziehen zu können, oder verhedderst Dich in Gedankenspielereien a la ‚was hätte gesagt werden sollen anstelle dessen was wirklich gesagt wurde‘. Konkret gesagt, Du versuchst Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind irgendwie zu ändern, was… entschuldige die Ehrlichkeit… unmöglich ist.

Das lässt Dich dann eventuell irgendwann schmerzhaft realisieren…

  1. Overthinking lässt Dich den Moment verpassen. Und das ist die aller traurigste Feststellung von allen. Egal ob Du Deine Vergangenheit oder Deine Zukunft 1000 Mal überdenkst, letztendlich verpasst Du dadurch das Hier und Jetzt. Das einzige was wirklich „real“ ist und sich genau in diesem Moment abspielt. Während Du immer und immer wieder darüber nachdenkst, was passiert ist, was hätte passieren sollen bzw. was wohl passieren wird, verpasst Du absolut das, was um Dich herum geschieht. Die Menschen, die an Dir vorbeilaufen, das Gespräch mit Deinem Partner, den Wind, der Dir um die Haare streicht, den Klang der Vögel, den Duft einer frisch gekochten Mahlzeit….  So viele neue, potentielle Erfahrungen, die Du verpasst, weil Du Deine repetitiven Gedanken einfach nicht loslassen kannst.

Deshalb…

  1. Lass sie los, Deine wiederkehrenden Gedanken. Geh weiter! Wie? Mein persönlicher Ansatz hierfür für Dich ist folgender:
    a) Gesteh Dir ein, dass Du ein Over-Thinker bist.
    b) Identifiziere das Hauptthema, das Dich gerade umtreibt und nicht aus Deinem Kopf gehen mag.
    c) Analysiere, was für Dich persönlich, bezogen auf dieses Thema noch nicht geklärt ist. Falls es schwierig für Dich ist, dies selbst zu analysieren bzw. Du dadurch in ein neues Gedankenkarussell gerätst (sehr wahrscheinlich), ziehe einen Freund zur Hilfe.
    d) Schließe inneren Frieden mit Deinem Thema. Das Mantra, das mir vor allem bei wiederkehrenden Gedanken über vergangene Situationen hilft, ist folgendes: ‚Alles, was in einem bestimmten vergangenen Moment gesagt oder getan werden sollte, wurde gesagt bzw. getan. Und zwar genau in der zu diesem Zeitpunkt möglichen und daher „richtigen“ Art und Weise.’ Erinnere Dich daran: Es ist immer einfacher eine vergangene Situation aus Deiner heutigen Perspektive neu zu bewerten, zu denken ‚Hätte ich doch nur dies oder jenes gesagt anstelle dessen was ich wirklich gesagt habe‘. Versuche diesen Gedanken abzuändern in ‚manche Dinge, die ich mir wünschte anders gesagt zu haben, waren nicht dafür gedacht anders gesagt zu werden.‘ Wirklich? Na klar, sonst hättest Du sie doch anders gesagt. Richtig?
    e) Woran immer Du noch festhältst, lass es los.
    f) Geh weiter.
    g) Wie? Indem Du in das Hier und Jetzt eintauchst. Wie? Indem du hörst, siehst, riechst, schmeckst, fühlst was um Dich herum passiert.
    h) Fühle das innere Gefühl von Ruhe und Gelassenheit, dass Dich überkommt, wenn du g) erreichst – auch wenn es nur für einen klitzekleinen Moment ist.
    i) Lächele, weil Du es geschafft hast! Wenigstens für einen kurzen Augenblick.
    j) Wieder am Nachdenken? Starte bei a)

Meine lieben Over-Thinker da draußen: Mach Dich weder dafür fertig, dass Du so viel nachdenkst noch rechtfertige das Overthinking als eine gegebene Eigenschaft Deiner Persönlichkeit. Wie in so vielen anderen Dingen, die immer und immer wieder in Deinem Leben auftauchen, so liegt auch in exzessivem Denken ein großes Lernpotential. Wehre Dich nicht dagegen. Anstatt dessen, betrachte es als eine Übung mehr Bewusstsein zu schaffen, ein Werkzeug, Dich Schritt für Schritt mehr zu verstehen und einen Weg immer öfters in das Hier und Jetzt einzutauchen.

Heart + Live Love Laugh

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