Ich bringe Opfer für Dich, mein Schatz

Du bringst Sinn in mein Leben.” “Du machst mich komplett.” “Ohne Dich ist das Leben nur halb so schön.”
Alles Sätze, die ziemlich romantisch klingen oder?
Du hast sie bestimmt schon öfters in Filmen gehört, vielleicht sogar in Deinem eigenen Leben. Es ist der Moment, wenn Du Dich ertappst, wie Du leicht seufzend denkst, “Liebe” ist so süß! Nicht wahr?

Aber sind diese Sätze wirklich das, was Du in Deinen Beziehungen hören willst?

Jemanden zu brauchen, der Dich und Dein Leben vervollständigt, führt zwangsläufig zu der Schlussfolgerung, dass Du allein nicht genügst. Dein Leben ohne XY ist nicht genug.
Und was heißt das?
Es bringt mit sich, dass Du eine besondere Fähigkeit von Dir gibst. Die Fähigkeit, glücklich zu sein. Es hängt nun nicht mehr allein von Dir selbst ab, ob Du und Dein Leben komplett, ganz, perfekt ist. Dein Partner ist jetzt auch dafür verantwortlich. Was automatisch eine erhebliche Erwartungshaltung kreiert.

Verstehe mich bitte nicht falsch. Ich streite nicht ab, wie unglaublich schön es ist, jemanden nah zu haben, jemand der zuhört wenn man ihn braucht, eine Schulter zum anlehnen. Das ist wunderschön. Absolut.

Was ich jedoch immer mehr feststelle ist, wie häufig es in unseren Beziehungen eine Rolle spielt Opfer zu bringen (meine mit Gabriel natürlich nicht ausgeschlossen). Mit Beziehungen meine ich nicht alleinig die Beziehung zu einem Partner sondern auch die zu Eltern, Brüdern, Schwestern, Freunden.

Was heißt das nun genau, “Opfer bringen”?

Opfer können alles sein, was Du für Jemanden tust, aber eigentlich gar nicht tun möchtest. “Warum tue ich es denn dann überhaupt?”, fragst Du Dich gerade. Schaue Dir für einen Moment folgende Beispiele an und sieh, ob Du Dich in dem einen oder anderen wiederfindest:

  • Du rufst eine Freundin an, weil Du denkst, es wird mal wieder Zeit, wobei Du eigentlich gar keine Lust auf das Telefonat hast.
  • Du kochst für Deinen Partner an einem Dienstagabend obwohl Du total müde bist und eigentlich gar nicht kochen willst.
    (und als Resultat bist Du super enttäuscht, wenn er nicht erwähnt wie köstlich das Essen doch schmeckt oder noch schlimmer, sich nicht einmal für Deine Mühe bedankt)
  • Du organisierst mal wieder das Geburtstagsgeschenk für Tante Elsa für alle Cousins, wozu Du eigentlich gar keine Lust hast.
    (und als Resultat fühlst Du Dich traurig und enttäuscht, dass niemand außer Dir sich kümmert)
  • Du bleibst zu Hause bei Deinem Mann/Freund/Frau/Freundin anstatt mit Deinen Freunden auf einen Wochenendausflug zu fahren, was Du eigentlich lieber machen würdest.

In dem Moment, in dem Du Dinge tust, ohne sie wirklich zu wollen, werden aus einfachen Aktionen Opfer.

“Aber ich tue dies alles doch WEIL ich liebe!”, sagst Du Dir gerade in Deinem Kopf. Ich verstehe Dich nur zu gut. Genau das habe ich auch lange gesagt.
Heute denke ich jedoch, dass allgemein eine große Verwirrung herrscht, wenn es vermeintlich “aus Liebe” zu Opfern kommt.

Liebe ist nicht Opfer zu bringen. Opfern ist nicht Lieben.

Und was tun wir?
Wir bringen ständig Opfer und rechtfertigen dies mit Liebe.

Also, lass uns kurz mal gemeinsam überlegen: Ein, zwei, drei Mal Opfer zu bringen schadet Niemandem. Da stimme ich zu. Immer und immer wieder Opfer zu bringen fühlt sich hingegen überhaupt nicht gut an. Stimmst Du zu? Und obendrein führt es zu Konflikten. Warum?

Weil Opfer bringen fordernd ist.

Vielleicht denkst Du nur die folgende Dinge oder sprichst sie sogar laut aus:

  • “Ich koche immer für meinen Partner und er wäscht nie ab.”
  • “Immer organisiere ich alle Geburtstagsgeschenke und letztendlich dankt es mir Niemand.”
  • “Ich helfe immer allen aber wo sind die Leute, wenn ich mal Hilfe brauche?”
  • “Immer gehe ich zum Fußballspiel meines Freundes, aber er interessiert sich überhaupt nicht für meine Hobbys.”

Da Du in Deinen Beziehungen wiederholt Dinge tust, die Du eigentlich überhaupt nicht tun willst, erwartest Du im Umkehrschluss auch von Deinem Gegenüber, dass er Opfer bringt. Was er wider Willen tut und dann wiederum auch wieder von Dir Opfer erwartet. Und so weiter. Ein Teufelskreis, der niemals endet.

Es sei denn, Du hörst auf Opfer zu erwarten. Und fängst an Lieben und Opfern voneinander zu trennen.

Dies beginnt – wie so oft – bei Dir selbst. Hör in Dich hinein und beobachte, wie oft Du Dinge “aus Liebe” tust, die Du eigentlich gar nicht tun möchtest. Nimm erst einmal wahr. Dann erlaube Dir Schritt für Schritt manchmal Dinge einfach nicht zu tun. Verweigere friedlich, freundlich, mit Liebe. Wahrscheinlich wirst Du feststellen, dass viele der Opfer, die Du konstant bringst, ehrlich gesagt ziemlich irrelevant für den anderen sind. Für Dich, jedoch, wird es einen riesen Unterschied machen aufrichtig zu Dir selbst zu sein, Deine eigenen Gefühle anzuerkennen. Es macht Dich mehr Selbst-Bewusst. Du wirst Dir und anderen gegenüber verständnisvoller. Das macht frei.

Das Schönste und Lohnendste an all dem ist folgendes: Vermehrt darauf zu verzichten in Deinen Beziehungen Opfer zu bringen, schafft Raum für all die Dinge, die Du und die Menschen in Deinem Leben wirklich gerne tun, geben und teilen möchten.

Du wirst verblüfft und begeistert sein, was das alles ist.

Also, lass uns gemeinsam weniger opfern und mehr lieben!

signature-katja

Heart + Live Love Laugh

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